In Sicherheit!

Jeder Mensch geht anders mit Krisen um.
Und Corona ist zweifelsohne eine Krise, die uns alle, ganz kalt erwischt hat.

Da spielt es auch keine Rolle, ob man eine Traumadiagnose hat oder nicht. Dieses kleine Virus nagt an uns Allen, egal welche psychischen Voraussetzungen wir haben.

Aber jenseits von allen (Existenz)-Ängsten, die sehr viele Menschen haben, besonders wenn sie selbständig sind und ihr Laden (wie meiner) geschlossen wurde,  kann ich etwas sehr Spannendes in mir beobachten:
Auf eine fast seltsame Weise kann mein Nervenkostüm entspannen. Es ist die neue soziale Norm des „physical distancing“, die es möglich macht.
Mein ganzes Leben lang bin ich in Stress geraten, wenn mir fremde Menschen zu nahe gekommen sind. Und das passiert eigentlich ständig: In der Bahn, im Supermarkt an der Kasse etc einfach überall. Bisher verlief mein Leben so, dass ich, je nachdem wie der momentane seelische Kompass oder die Grundstress-Skala gerade lag, mal schneller oder auch mal langsamer in Stress geraten bin wenn ich längere Zeit in größeren Menschenmengen verbringen musste. Aber der Stress kam immer – so sicher wie das Amen in der Kirche. In einer Gesellschaft, in der Kiffen zwar verpönt ist aber Alkohol als Selbstmedikationsmittel Nummer 1 absolut gesellschaftlich toleriert, ja sogar gefördert wird, ist es relativ einfach, so durchs Leben zu kommen.
„Stell Dich nicht so an, trink ein Gläschen“ – Wenn man diesen Satz nicht schon selbst denkt, sagen es einem nichtsahnend die Freunde, die nicht hinter die Fassade blicken können oder wollen. Und schon ist man etwas entspannter wenn man mit Freunden auf einem Konzert, Fest oder ähnliches ist.

Aber jetzt hat sich etwas verändert! Die Menschen halten Abstand – 1,50 m neu gewonnene Sicherheit!

Dieser Abstand sorgt dafür, dass ich viel weniger meine Umgebung scannen muss und mich draußen endlich mal sicher fühlen kann.
Ich habe das Gefühl, mich wenn ich draußen bin endlich so zu fühlen wie andere Menschen (fast) immer. Herrlich fühlt es sich an!
Mein einziges „Problem“ in dieser Zeit ist es, dass ich mir überlege, wie ich diesen Zustand auch nach Ende des Corona-Ausnahmezustandes erhalten kann. Das ganze ohne Therapeuten (ein anderes schönes Thema, auf das ich bald zu sprechen kommen werde).

Wie geht es Dir in der momentanen Zeit? Fühlst Du dich sicherer? Oder ist bei dir das Gegenteil der Fall?Tags: CoronaEntwicklungstrauma


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